Kategorie: Philosophische Gedanken

Kann der Corona Virus Sinn machen ?

Wir leben im Zeitalter eines weit entgrenzten Subjektivismus. Eingenordet zwischen den Verwertungsinteressen der globalen, arbeitsteiligen Wirtschaft und dem egalitären Zeitgeist bleibt das Halt und Werte suchende Ich oft ohne Familie, Heimat und Religion, nur noch auf sich selbst verwiesen. Die verbliebene Gemeinschaft mit Anderen unterliegt einem abstrakten vermeintlich diskriminierungsfreien Sollen, das für bodenständige Individualität und gewachsene kulturelle Besonderheiten kaum mehr Platz bietet.

Das subjektive Denken reflektiert nicht mehr seine Herkunft, sondern nur mehr die Konsequenz seiner Gedanken und seines Handelns in Bezug auf sein je eigenes Existieren. Mitunter denkt es nicht mehr. Es funktioniert. Der entgrenzte Subjektivismus wird mechanisch.

Der Corona-Virus öffnet einen Riss im Kontinuum der Gewohnheiten.

Was wir nun mit dem uralten, neuen Corona-Virus urplötzlich durchleben, ist die parallele Existenz einer unsichtbaren Lebensform – das untote, stumpfsinnig repetitive Leben von Viren. Sie scheren sich nicht um unsere Mechanik, vielmehr stellen sie eine Gefahr für uns dar. Die Natur schlägt zurück, unterbricht den Flow und die selbstbezügliche Mechanik.

Auf einer allgemeineren Ebene und im Fall einer Infektion hautnah werden wir von einer Virus-Epidemie an eine ultimative Zufälligkeit, die Endlichkeit und finale Bedeutungslosigkeit unseres Lebens erinnert. “Welche großartigen spirituellen Gebäude wir als Menschheit auch immer hervorbringen mögen – eine geistlose natürliche Kontingenz wie ein Virus kann alles beenden.” (Slovan Zizek, NZZ vom 04.03.2020) Corona beinhaltet in der Tat die Möglichkeit, die Zeit unseres Lebens abrupt ins Nichts auslaufen zu lassen. Die Lösung der Gleichung von Zeit und Existenz wäre der unvermittelte Tod. Aus der Sicht des subjektiven Denkens ist das unauflösbar absurd und wird solange als möglich verdrängt.

Im ad hoc verunsicherten Subjektivismus wird urplötzlich eine Leere laut. Alle gemeinschaftlichen Aktivitäten sind einzustellen, sofern sie nicht “systemrelvant” sind. Die Kette alltäglicher Gebärden zerreißt. Es öffnet sich ein Riss im Kontinuum der Gewohnheiten, durch den Sinnlosigkeit in unser vereinzeltes Tuns einströmt. Das aufbrechende Gefühl ist eines der Angst, möglicherweise sogar des Grauens vor der eigenen selbstbezüglichen Gefährdetheit.

Neues Denken.

Das erzwingt ein zumindest anderes Denken : es muss, ob es will oder nicht, in der aktuellen Situation über seine gewohnte Existenz hinaus denken. Will ich weiter existieren, muss ich mich im Allgemeinen und Kollektiven denken und anpassen. Alle müssen sich “vorsehen”.

Das absolut Subjektive erweist sich in seiner Selbstbezüglichkeit als hilflos, ja sinnlos und leer wie Deutschlands Straßen bei Ausgangssperre. Es läuft dem Allgemeinen hinterher. Nun muss es innehalten und aus seiner oberflächlichen, mechanischen Originalität aussteigen. Es liest und redet mit seinen (älteren) Nachbarn und hilft ihnen. Paradoxalerweise erzeugt die körperliche Distanz, die der Virus erzwingt, gleichzeitig neue Nähe.

Begrenzt der Corona-Virus den entgrenzten Subjektivismus durch Sinn ?

Gewöhnlich lassen wir uns von der Zeit tragen, treiben mit ihr und weichen der beunruhigenden existentiellen Gefährdetheit mit Ablenkungsmanövern aus : Morgen, später einmal, wenn man älter ist. Versicherungen sichern uns ab. Wir schweben im Social-Media-Space. Plötzlich nun erkennen wir die Endlichkeit, das Vergehen als unseren ärgsten Feind. Der entgrenzte Subjektivismus behindert das Überleben. Er wird selber zum Feind.

Mit Corona überkommt uns auf einmal ein Gefühl der Fremdheit. Meine Stadt, die Welt erscheint fremdartig. Aber : Man hat keine Wahl. Man muss es akzeptieren und mit dem Bösen im Allgemeinen umgehen.

Zwei Wege.

Doch diese Akzeptanz kann zwei Wege beschreiten: Es kann schlichte Gewöhnung an Krankheit folgen: Menschen werden sterben, aber das Leben geht weiter, und vielleicht ergeben sich sogar ein paar gute Nebenwirkungen, neue Frühwarnsysteme, neue pharmazeutische Entwicklungen. Der entgrenzte Subjektivismus hätte nur einige neue Facetten hinzugewonnen.

Oder das erkennende Akzeptieren, das existentielle Erfahren, kann uns dazu bringen, dauerhaft das Allgemeine, das Allgemeinwohl, das Mitmenschentum, zu denken und gemeinsam zu leben. Der entgrenzte Subjektivismus endet und verständigt sich wieder auf gemeinsame kulturelle, religiöse und familiäre Inhalte in gewachsenen Grenzen. Das was trägt. Er wird vernünftig. Weniger globale Arbeitsteilung, mehr Arbeit innerhalb gewachsener natürlicher Grenzen. Das Ich hat dann wieder eine Heimat. Eine neue kollektive Solidarität macht Sinn.

Von diesem gemeinsamen Innen heraus sind gesellschaftliche Weichenstellungen, die Bestimmung der Grenzen und Möglichkeiten der Digitalisierung, ökologische und ökonomische Korrekturen möglich.

Das wäre dann für Deutschland ein neues Zeitalter.

“Das Absurde kann besänftigt werden, wenn die Menschen gemeinsam gegen es kämpfen.” Albert Camus, Brief an Guillloux am 05.01.1946

Ist Künstliche Intelligenz böse ?

Unter Künstlicher Intelligenz versteht man aus Daten in Feedbackprozessen selbständige lernende Maschinen. Der Mensch formuliert seit neuerem nur noch die Ziele, die die Maschine erreichen soll – weniger Theorie und Regeln. Wie die Maschinen zu dem Ziel kommen, lernen sie in Trainingsphasen durch Beispiele und Feedback selbständig.

Dahinter stecken sogenannte Künstliche Neuronale Netze  : Computersysteme simulieren Nervenzellen mit “Knoten”, die in vielen Schichten hinter- oder übereinander angeordnet werden. Das System lernt in rasender Geschwindigkeit Muster in großen Datenmengen zu erkennen und sich zu merken.

Die Ausbreitung dieser Technik in die verschiedensten Anwendungen hinein (von Militärdrohnen bis zu Pflegerobotern) schreitet seit einiger Zeit immer schneller voran. Aus Daten lernende “intelligente” Systeme stellen eine Querschnittstechnologie dar, die in fast alle Bereiche des menschlichen Lebens, Wirtschaft und Gesellschaft vordringt und sie radikal verändern wird (wie Ende des 19. Jahrhunderts die Elektrifizierung).

Der Menschheitstraum der Entwicklung von Maschinen / Technologien, die autonom in der Lage sind, ‘intelligente’ Leistungen zu vollbringen, zeitigt vielfach auch negative Zukunftsszenarien. Sie reichen von massenhaftem Verlust von Arbeitsplätzen über einen totalen Überwachungs-staat, bis hin zu trans- oder posthumanen Szenarien, nach denen künstliche Intelligenzen – teils in Menschengestalt – dem Menschen den Rang streitig machen, – im worst case – auf ihn eliminierende Art. Hollywood hat dies kongenial mit Filmen wie “Blade Runner”, “Matrix”, “Terminator” vorgezeichnet.

Der Humanoide Pepper (1,20 M auf Rollen mit Kulleraugen, 5-Finger-Händen und einem tablet auf der Brust) ist mit dem Internet verbunden und analysiert Mimik, Gestik und Tonfall des menschlichen Gegenübers. Er errechnet daraus, wie sein Gegenüber sich fühlt. – Und reagiert darauf. Künstliche Intelligenz lernt menschliches Verhalten. In Zusammenarbeit mit dem Computer ‘IBM Watson’ soll Pepper in Schulen helfen, wo er mit Kindern Mathematik übt und spanische Vokabeln abfragt. Er präsentiert sich geduldig oder motivierend, simuliert Empathie oder Strenge, wo es dem System für den Lernerfolg hilfreich erscheint.

Der japanische Roboterentwickler Hiroshi Ishigiro sieht in der Vermenschlichung von Robotern, von ihm gefertigte, täuschend echte Silikon-Klone, die Voraussetzung dafür, dass wir mit ihnen kooperieren können. Ishigiro reist mit seinem Duplikat um die Welt und hält zusammen und abwechselnd mit seinem Klon Vorlesungen über humanoide Robotik.

Ray Kurzweil, der Leiter der technischen Entwicklung bei Google, geht davon aus, dass Computer 2045 den Menschen in nahezu sämtlichen Fähigkeiten übertreffen und die Welt-geschichte in die Phase des “Transhumanismus” übergeht. Der Philosoph Nick Bostrom (Leiter des “Futur of Humanity Institute” in Oxford) sieht – ohne Zeitvorgabe – die Entwicklung einer Superintelligenz (“Singularität”), die sich autonom und in Feedbackschleifen ein immer besseres Bild von der Welt und sich selbst errechnet, die “den Menschen von der Spitze der Denkerkette vertreibt.” Bill Gates, Stephen Hawking u.a. verfassen warnende Aufrufe.

Etwas dem Menschen Äußerliches, intelligente Maschinen, bestimmt nach seinen Rechen-größen (Algorithmen) zunehmend über verschiedene Formen des menschlichen Zusammenlebens. Der Philosoph Martin Heidegger zeichnet für die Maschinen der ersten Generation ein unausweichliches Bild :

Der Mensch fordert, so Heidegger, die Natur durch Technik auf eine Art heraus, dass sie sich in einer “rechnerisch feststellbaren Weise meldet” und als ein System von Informationen “bestellbar” bleibt. (Die Technik und die Kehre, 1962, S. 22). Die geformte Natur bezeichnet er als “Bestand”. Zum Erhalt der geformten Natur benötigt der Mensch wieder Technik. Technik fordert mehr Technik (Wartung und Weiterentwicklung), sonst kommt es zum Zusammenbruch.

Für ihn schließt sich der Kreis zu einem Circulus Vitiosus aus Seinsvergessenheit, Herausforderung, Bestand und Bestandssicherung. “Die Industriegesellschaft existiert auf dem Grunde der Eingeschlossenheit in ihr eigenes Gemächte.” (TK, S. 19). Die Technik ist zwar vom Menschen gemacht. Er hat ihr gegenüber aber seine Freiheit verloren.

“Die Bedrohung des Menschen kommt nicht erst von den möglicherweise tödlich wirkenden Maschinen und Apparaturen der Technik. Die eigentliche Bedrohung hat den Menschen bereits in seinem Wesen angegangen. Die Herrschaft des Gestells (= der Technik) droht mit der Möglichkeit, dass dem Menschen versagt sein könnte, in ein ursprüngliches Entbergen (Entdecken seiner Natur / der Natur) einzukehren und so den Zuspruch einer anfänglicheren Wahrheit zu erfahren.” (TK, S. 28)

 Ist Künstliche Intelligenz böse ?

Tastatur

Arbeit bildet.

Arbeit ist, nach Karl Marx, ein expressiver Akt, in dem der Mensch seine inneren Kräfte und Eigenschaften – sein Wesen –  nach außen projiziert und im (Werk-)Stoff umsetzt. Aber auch seine Eigenschaften selber werden durch die Arbeit erzeugt. Die Arbeit verbindet ihn mit den anderen Menschen und mit der Natur.

Der Mensch setzt in der Arbeit nicht nur seine Kraft ein, sondern entwickelt sich in ihr. Seine Bedürfnisse und Fähigkeiten sind Produkte der Arbeit. Der Mensch ist, was er arbeitet. Die Art der alltäglichen Arbeit – körperlich oder geistig, verwaltend oder kreativ – bringt bestimmte Menschenbilder hervor.

Arbeit bildet.

Da dies für alle Menschen gilt und diese gemeinsam in bestimmten Gesellschaftsformen zusammen leben, werden in der Arbeit allgemeine Menscheneigenschaften und -potenzen sichtbar und verwirklicht. Arbeit ist, so Marx, immer auch eine gesellschaftliche, soziale Tätigkeit – auf der jeweiligen Stufe der Produktivkräfte.

“Die Arbeit ist [so Marx]  zunächst ein Prozess zwischen Mensch und Natur, ein Prozess, worin der Mensch seinen Stoffwechsel mit der Natur durch seine eigne Tat vermittelt, regelt und kontrolliert. Er tritt dem Naturstoff selbst als eine Naturmacht gegenüber. Die seiner Leiblichkeit angehörigen Naturkräfte, Arme und Beine, Kopf und Hand, setzt er in Bewegung, um sich den Naturstoff in einer für sein eigenes Leben brauchbaren Form anzueignen. Indem er durch diese Bewegung auf die Natur außer ihm wirkt und sie verändert, verändert er zugleich seine eigne Natur. Er entwickelt die in ihr schlummernden Potenzen und unterwirft das Spiel ihrer Kräfte seiner eigenen Botmäßigkeit.” (Kapital, Bd. 1, S. 92)

Der Mensch muss sich, um leben zu können, mit den Dingen auseinandersetzen, um sie seinen Zwecken gemäß umzuwandeln. Während er das tut, zwingt er ihnen seine Ideen auf. Er wird folglich in seiner menschlichen Umgebung reflektiert; sie ist seine schöpferische Leistung.

Was passiert aber in einer Gesellschaft, der durch die Technologisierung der Arbeitsprozesse die Arbeit ausgeht ? Wenn, nach Marx, nur Arbeit Sinn macht, wird die menschliche Existenz dann sinnlos ? Die Mitglieder unserer Wohlstandsgesellschaft, die sich in den kollektiven Arbeitsformen nur mehr als Individuum und nicht mehr als kollektives Wesen wahrnehmen, müssten wohl ein neues Selbstverständnis entwickeln, um soziale, Familien- oder Bürgerarbeit als gleichwertige Formen von Arbeit anzuerkennen. Der ausschließlich ökonomisch-instrumentelle Arbeitsbegriff müsste überwunden werden.

Tue Gutes.

Schon das Alte Testament formuliert ein göttliches Gebot, das sich an die ersten Menschen im urzeitlichen Paradies richtete – appellierend an die menschliche Einsicht zur Unterscheidung in Gut und Böse: “Von dem Baum der Erkenntnis des Guten und des Bösen sollst du nicht essen.”

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Revolution

In der Tat : Der Begriff Revolution umschreibt eine abrupte, mitunter gewalttätige Zäsur in der gesellschaftlichen, wirtschaftlichen, kulturellen, wissenschaftlich-technischen Entwicklung – einen Übergang von einem ‘Ancien Régime’ in einen neuen Zustand, einen Epochenwechsel.

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Chaos II

Chaotisches Verhalten wird charakterisiert durch zeitliche Unregelmäßigkeit und Nichtvorhersagbarkeit – in der mathematischen Physik und im Leben der Menschen.

Das zentrale Kennzeichen ‘chaotischer Systeme’ in der Physik ist die sensitive, empfindliche Abhängigkeit eines Bewegungsverlaufs von den Anfangsbedingungen. Auch wenn sich zu einem Zeitpunkt die Zustände zweier Systeme fast nicht unterscheiden, zeigen sich nach kurzer Zeit gänzlich unterschiedliche Verläufe. Die “empfindliche” Abhängigkeit verhindert jede längerfristige Vorhersage des Bewegungsablaufs – auch dann, wenn die zugrunde liegenden Naturgesetze bekannt sind. Der Flügelschlag eines Schmetterlings auf Hawaii kann so den Unterschied ausmachen, der entscheidet, ob ein Tornado Texas verwüstet oder sich ohne Schaden auflöst.

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Chaos I

Hesiod (*700 v.Ch.) aus Askra in Böotien ist der erste namentlich bekannte Dichter in der Geschichte der Weltliteratur.  Chaos ist für Hesiod die “gähnende, klaffende Leere des Raumes” (Theogenie, 116 ff.), in dem alles Weitere entsteht – der Raum zwischen Erde und Himmel (ebd., 770 ff.) – oder : ein Raum der Möglichkeiten.

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Be lucky, be the lucky man ! Eudaimonie und hedone.

In der individualisierten Gegenwart wird sich oft derjenige für glücklich halten, der sein Leben selber so oder jedenfalls positiv nur empfindet. Glück wird durch Macht, Reichtum, Ruhm oder voluntaristisch als Wunscherfüllung oder hedonistisch als Wohlbefinden bestimmt. Immanuel Kant charakterisiert die subjektive “Glückseligkeit als Zustand eines vernünftigen Wesens, dem es im Ganzen seiner Existenz alles nach Wunsch und Willen geht.” (Kritik der praktischen Vernunft, A 224).

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Licht

Das Sonnenlicht gilt dem antiken griechischen Philosophen Platon (428/427 v. Chr. † 348/347 v.Chr.) als die Quelle allen Lebens. Ohne sie gibt es kein Leben auf der Erde. Die Sonne verleiht den sinnlich sichtbaren Gegenständen nicht nur das Vermögen des Gesehenwerdens, sondern auch Werden, Wachsen und Nahrung. Nur das im Licht Erscheinende habe ‘Sein’ (ousia). Das Nichtseiende (mê einai) ist das Dunkle (vgl. Platon, Politeia, S. 479c/d). In der antiken Philosophie ist das Erkennen, die Erkenntnis, mit dem Licht verbunden.

Dem Licht der Sonne, den Farben, die das tägliche Licht bringt, folgt deutliches Sehen. Ihm entspricht die Seele, der die Wahrheit dessen, was wirklich ist, ‘einleuchtet’. Dieser leuchtenden Wahrheit steht das mit Finsterem Gemischte entgegen, dem allein vernunftlose Meinungen entsprechen (vgl. Politeia, S. 508b/c). Das Licht des Denkens bietet sicheres Wissen. Was im Licht der Idee des Guten liegt, an dem glänzt die Wahrheit und das Seiende. Was dagegen nicht von der Idee des Guten erhellt wird, das gehört in den Bereich des Werdenden und Vergehenden (vgl. Politeia 508d).

In der modernen physikalischen Betrachtung ist Licht eine Form elektromagnetischer Strahlung. Vom gesamten elektromagnetischen Spektrum sind zunächst nur die Anteile gemeint, die für das menschliche Auge sichtbar sind. Im weiteren Sinne werden auch elektromagnetische Wellen kürzerer Wellenlänge (Ultraviolett) und größerer Wellenlänge (Infrarot) dazu gezählt. Im Vakuum des Weltalls breitet sich Licht mit der konstanten Lichtgeschwindigkeit von 299.792.458 Metern pro Sekunde aus.

Erkenntnis in Abwesenheit des natürlichen Sonnenlichts mit künstlichem Licht ist normal geworden. Digitale Techniken machen alles zu Daten, die zusehends alle Lebensbereiche durchleuchten. Handelt es sich um die Externalisierung oder nur um eine andere Form von Erkenntnis ?

Im Sommer, in der hellen Jahreszeit, strahlt die “Seele” auch heute und die unmittel-bare “Wahrheit” der Erfahrung der Lebensquelle Licht wirkt  …

“Im Frühling wohnen in Tipasa [seit dem Jahr 300 n.Ch. verlassene römische Siedlung an der algerischen Mittelmeerküste] die Götter. Sie reden durch die Sonne und durch den Duft der Wermutsträucher, durch den Silberkürass des Meeres, den grellblauen Himmel, die blumenübersäten Ruinen und die Lichtfülle des Steingetrümmers. Zu gewissen Stunden ist das Land schwarz vor lauter Sonne. Vergebens suchen die Augen mehr festzuhalten als die leuchtenden Farbtropfen, die an den Wimpern zittern. Der herbe Geruch der Kräuter kratzt in der Kehle und benimmt in der Hitze den Atem … Aufrecht in dem leichten Wind, unter der Sonne, die uns nur eine Gesichtshälfte erhitzt, sehen wir das Licht vom Himmel herabströmen auf die glatte Spiegelfläche des Meeres, das uns mit seinen schimmernden Zähnen anlächelt. ” (Albert Camus, 1938, Hochzeit des Lichts, S. 9 ff.)