Culture ?

(Kultur von lat. colere : bebauen, (be)wohnen, pflegen, ehren; Partizip perfekt : cultum)

Für den deutschen Philosophen Johann Gottfried Herder, geboren 1744, war Kultur das in der Geschichte der Menschheit Gewachsene, als Lebensform von Völkern, in denen sich die allgemeine menschliche Humanität (“Vernunft und Billigkeit”) entfaltet : “die Blüte seines Daseins, mit welcher es sich zwar angenehm, aber hinfällig offenbart.” (Herder, Ideen zur Philosophie der Geschichte, S. 147). Kultur gilt ihm als höchste Stufe der Entfaltung der Lebensformen eines Volkes, die wie ein Lebewesen, wie die Blüte einer Pflanze, auch wieder vergeht. Kultur ist für Herder nur aus den tatsächlich entwickelten Grundorientierungen eines Volkes heraus zu verstehen.

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Gewalt

Die aufgeklärte Vorstellung, Gewalt sei ein Relikt, das durch Vernunft und Zivilisation überwunden werden kann, ist nach den Erfahrungen des 20. Jahrhunderts, kaum mehr haltbar. Es wird nun versucht, Gewalt als Teil der menschlichen Existenz zu akzeptieren, zu verstehen und nach ihren Organisationsformen und Inszenierungen zu fragen. Gewalt soll beherrschbar sein. Die Menschen sollen “sich in der Gewalt haben”.

“Ist überhaupt gewaltlose Beilegung von Konflikten möglich ?” fragt der Philosoph Walter Benjamin und antwortet : “Ohne Zweifel. Die Verhältnisse von Privatpersonen sind voll von Beispielen hierfür. Gewaltlose Einigung findet sich überall, wo die Kultur des Herzens den Menschen reine Mittel der Übereinkunft an die Hand gegeben hat.” (Walter Benjamin, Kritik der Gewalt, GW, 1980, Bd. II-1, S. 191)

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Und die Liebe ?

Was kann die Liebe der Philosophie bedeuten ? Handelt es sich nicht einfach um ein wunder-schönes Gefühl ohne viele Worte, wertlos für rationale philosophische Weltbeschreibung ?

Muss die Liebe für die Philosophie Sinn ergeben oder kann sie einfach beschreiben helfen, was der Mensch fühlt ? Der Liebende, sagt der russische Religionsphilosoph Wladimir Solowjew, legt sein “ganzes Lebensinteresse” in das Sein des Geliebten und sucht so mit dem Geliebten eins zu werden. (Solowjew, Der Sinn der Liebe, Hamburg, 1985)

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Die Entscheidung

Der protestantische Theologe Rudolf Bultmann hat in den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts das menschliche Dasein, seine “Existenz”, beschrieben mit : Ausweichen in die “Uneigentlichkeit”, Zeitlichkeit bis zum Tod, Geworfenheit (ohne eigentliche “Zweckbestim-mung”)  und Sorge, im Sinne von ausdauerndem Besorgen von existenzsichernden Aufgaben.

Der überwiegende Teil der Kulturtechniken der Massengesellschaft diene dazu, der Konsequenz der Zeitlichkeit der menschlichen Existenz auszuweichen. Der Philosoph Martin Heidegger spricht von einer naheliegenden und vorherrschenden “Tendenz zum Leichtmachen und Leichtnehmen” (Sein und Zeit, S. 127).  Diese “Uneigentlichkeit” seiner Lebensweise gilt als das Normale. Der Mensch ist zunächst und zumeist nicht bei sich selbst, sondern dort draußen beim Besorgen seiner Geschäfte und bei den anderen – in einer Whatsapp-Group.

“Wenn das Dasein die Welt eigens entdeckt und sich nahebringt, wenn es ihm selbst sein eigentliches Sein erschließt, dann vollzieht sich dieses Entdecken von “Welt” und Erschließen von Dasein immer als Wegräumen der Verdeckungen und Verdunkelungen, als Zerbrechen der Vorstellungen, mit denen sich das Dasein gegen es selbst abriegelt.” (Heidegger, Sein und Zeit, S. 129)

Um Aufzuwachen und mit dem Wegräumen zu beginnen, bedarf es existenzieller Erfahrungen – warum sonst sollte man sich Veränderungen aussetzen ? Um (zu) sich zu finden, muss man sich auf den Weg machen. Man muss sich entscheiden.

Der Mensch ist zwei

„Vermittelst der Sinnlichkeit also werden uns Gegenstände gegeben, und sie allein liefert uns Anschauungen; durch den Verstand aber werden sie gedacht, und von ihm entspringen Begriffe.“ formuliert der Königsberger Philosoph Immanuel Kant im Jahr 1778 (Kritik der reinen Vernunft, B 33).

 

Von den beiden Stämmen menschlicher Erkenntnis – Sinnlichkeit und Verstand – ist der Verstand – will er nicht im luftleeren Raum umher irren – immer auf die Sinnlichkeit angewiesen, die ihm das “angeschaute” Material liefert. Der Verstand aber ordnet das Material. Bloße Anschauung – das durch die Sinne vermittelte Material – wäre wiederum ohne den Verstand “unverständlich”. Anschauungen ohne Begriffe sind blind. Auch die Sinnlichkeit wäre ohne den Verstand nichts.

 

Sinnlichkeit und Verstand wirken also bei der menschlichen Erkenntnis zusammen. Der Verstand formt den Rohstoff, den die Sinnlichkeit liefert, zu Begriffen und verbindet die Begriffe zu Urteilen. Der Mensch erschafft aus freiem Verstandesvermögen eine eigene Einheit, die seine Welt ist. Die Dinge selber erreicht er dennoch nicht.

Das Reale und die neuen Medien

Nach der Annahme des Technikphilosophen Jean Baudrillard messen wir die Welt mittlerweile nach der Ähnlichkeit, die sie mit den Bildern hat, die die elektronischen Medien produzieren und nicht mehr umgekehrt. Er sieht eine Ermordung des Realen durch ein Übermaß an elektronischer Abbildung. Marietta Slomka als Mörderin des Realen ? Dies wäre dann der Fall, wenn Bilder bspw. der Nachrichtensendungen aus TV und Internet eine Welt eigener Art schaffen würden. Nicht wirklich abwegig – Krieg der Bilder als Teil der realen Kriegsführung.

Das politisch, gesellschaftliche Leben geriete im Meer der Bilder zur quasi rituellen Nachahmung von fremd produzierten Bildern im Dienste globaler Ökonomisierung.

Baudrillard gibt den Bilderkampf noch nicht verloren :

“Die Globalisierung hat nicht von vornherein gewonnen, das Spiel ist noch nicht gespielt. Gegen die auflösende und homogenisierende Gewalt sieht man überall heterogene, nicht nur differente, sondern antagonistische und unwiderstehliche Kräfte aufstehen.” (Baudrillard, Der Geist des Terrorismus, 2002, S. 55)

Da der Ausstieg aus dem Realen nicht möglich ist, muss sich die Gegenbewegung an den Spielregeln der irrealen Mediengesellschaft ausrichten. Sic est!

Geschichte heute?

Geschichte, Geschichtlichkeit bezeichnet etwas Vergangenes und zugleich Wirksames. Sie ist konstituierend für gesellschaftliche und politische Prozesse der Gegenwart einer Nation, so wie bspw. der Sturm auf die Bastille für die Franzosen heute weiterhin den Gründungsmythos, das fortbestehende Narrativ  einer Gesellschaft freier und gleicher Bürger darstellt. Weiterlesen