Ist Künstliche Intelligenz böse ?

Mission

Unter Künstlicher Intelligenz versteht man aus Daten in Feedbackprozessen selbständige lernende Maschinen. Der Mensch formuliert seit neuerem nur noch die Ziele, die die Maschine erreichen soll – weniger Theorie und Regeln. Wie die Maschinen zu dem Ziel kommen, lernen sie in Trainingsphasen durch Beispiele und Feedback selbständig.

Dahinter stecken sogenannte Künstliche Neuronale Netze  : Computersysteme simulieren Nervenzellen mit “Knoten”, die in vielen Schichten hinter- oder übereinander angeordnet werden. Das System lernt in rasender Geschwindigkeit Muster in großen Datenmengen zu erkennen und sich zu merken.

Die Ausbreitung dieser Technik in die verschiedensten Anwendungen hinein (von Militärdrohnen bis zu Pflegerobotern) schreitet seit einiger Zeit immer schneller voran. Aus Daten lernende “intelligente” Systeme stellen eine Querschnittstechnologie dar, die in fast alle Bereiche des menschlichen Lebens, Wirtschaft und Gesellschaft vordringt und sie radikal verändern wird (wie Ende des 19. Jahrhunderts die Elektrifizierung).

Der Menschheitstraum der Entwicklung von Maschinen / Technologien, die autonom in der Lage sind, ‘intelligente’ Leistungen zu vollbringen, zeitigt vielfach auch negative Zukunftsszenarien. Sie reichen von massenhaftem Verlust von Arbeitsplätzen über einen totalen Überwachungs-staat, bis hin zu trans- oder posthumanen Szenarien, nach denen künstliche Intelligenzen – teils in Menschengestalt – dem Menschen den Rang streitig machen, – im worst case – auf ihn eliminierende Art. Hollywood hat dies kongenial mit Filmen wie “Blade Runner”, “Matrix”, “Terminator” vorgezeichnet.

Der Humanoide Pepper (1,20 M auf Rollen mit Kulleraugen, 5-Finger-Händen und einem tablet auf der Brust) ist mit dem Internet verbunden und analysiert Mimik, Gestik und Tonfall des menschlichen Gegenübers. Er errechnet daraus, wie sein Gegenüber sich fühlt. – Und reagiert darauf. Künstliche Intelligenz lernt menschliches Verhalten. In Zusammenarbeit mit dem Computer ‘IBM Watson’ soll Pepper in Schulen helfen, wo er mit Kindern Mathematik übt und spanische Vokabeln abfragt. Er präsentiert sich geduldig oder motivierend, simuliert Empathie oder Strenge, wo es dem System für den Lernerfolg hilfreich erscheint.

Der japanische Roboterentwickler Hiroshi Ishigiro sieht in der Vermenschlichung von Robotern, von ihm gefertigte, täuschend echte Silikon-Klone, die Voraussetzung dafür, dass wir mit ihnen kooperieren können. Ishigiro reist mit seinem Duplikat um die Welt und hält zusammen und abwechselnd mit seinem Klon Vorlesungen über humanoide Robotik.

Ray Kurzweil, der Leiter der technischen Entwicklung bei Google, geht davon aus, dass Computer 2045 den Menschen in nahezu sämtlichen Fähigkeiten übertreffen und die Welt-geschichte in die Phase des “Transhumanismus” übergeht. Der Philosoph Nick Bostrom (Leiter des “Futur of Humanity Institute” in Oxford) sieht – ohne Zeitvorgabe – die Entwicklung einer Superintelligenz (“Singularität”), die sich autonom und in Feedbackschleifen ein immer besseres Bild von der Welt und sich selbst errechnet, die “den Menschen von der Spitze der Denkerkette vertreibt.” Bill Gates, Stephen Hawking u.a. verfassen warnende Aufrufe.

Etwas dem Menschen Äußerliches, intelligente Maschinen, bestimmt nach seinen Rechen-größen (Algorithmen) zunehmend über verschiedene Formen des menschlichen Zusammenlebens. Der Philosoph Martin Heidegger zeichnet für die Maschinen der ersten Generation ein unausweichliches Bild :

Der Mensch fordert, so Heidegger, die Natur durch Technik auf eine Art heraus, dass sie sich in einer “rechnerisch feststellbaren Weise meldet” und als ein System von Informationen “bestellbar” bleibt. (Die Technik und die Kehre, 1962, S. 22). Die geformte Natur bezeichnet er als “Bestand”. Zum Erhalt der geformten Natur benötigt der Mensch wieder Technik. Technik fordert mehr Technik (Wartung und Weiterentwicklung), sonst kommt es zum Zusammenbruch.

Für ihn schließt sich der Kreis zu einem Circulus Vitiosus aus Seinsvergessenheit, Herausforderung, Bestand und Bestandssicherung. “Die Industriegesellschaft existiert auf dem Grunde der Eingeschlossenheit in ihr eigenes Gemächte.” (TK, S. 19). Die Technik ist zwar vom Menschen gemacht. Er hat ihr gegenüber aber seine Freiheit verloren.

“Die Bedrohung des Menschen kommt nicht erst von den möglicherweise tödlich wirkenden Maschinen und Apparaturen der Technik. Die eigentliche Bedrohung hat den Menschen bereits in seinem Wesen angegangen. Die Herrschaft des Gestells (= der Technik) droht mit der Möglichkeit, dass dem Menschen versagt sein könnte, in ein ursprüngliches Entbergen (Entdecken seiner Natur / der Natur) einzukehren und so den Zuspruch einer anfänglicheren Wahrheit zu erfahren.” (TK, S. 28)

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